Vielleicht an einem anderen Tag – Epilog

Für immer. Als wir damals am Bahnhof standen und unsere Züge verpassten, war da auf einmal die Hoffnung, dass es nun für immer sein könnte. Weil uns klar war, dass wir keinen Tag mehr verschwenden wollen.

Es war seitdem nicht immer leicht, denn es gibt immer Hürden im Leben. Doch die Kunst besteht darin, sie zu meistern. Nachdem Sam die Zusage für den Job in Hamburg bekommen hatte, beschlossen wir, dass er eine Zeit lang pendelt und wir die Tage, die wir zusammen haben, einfach nur genießen. Mit dem Zug war die Entfernung eigentlich kein Problem, wenn sie auch etwas an uns genagt hat.

Und so stand mein Entschluss eines Tages fest: Ich werde zu Sam nach Hamburg ziehen. Nicht nur deshalb, weil wir dann mehr Zeit füreinander haben. Es ist uns auch wichtig, weil wir ja irgendwann eine Familie gründen möchten. Ich habe sogar bereits eine Stelle an einer Hamburger Klinik in Aussicht.

Viele unserer Freunde meinen, dass es doch etwas schnell mit uns geht, aber wir lächeln nur über diesen Einwand. Denn das mit uns ist ja alles andere als schnell gegangen, bedenkt man die vielen Jahre, in denen wir uns immer wieder verloren hatten.

»Ist der Zeitpunkt wirklich richtig?«, fragten mich meine Kolleginnen.

Und meine Antwort war: »Ja.«

Denn wir selbst sind es, die den richtigen Zeitpunkt bestimmen. Und wenn man Zweifel hat, ist er scheinbar niemals richtig. Dann wird man immer etwas finden, das dagegenspricht: die Entfernung, der kurze Zeitraum seit unserem Wiedersehen am Bahnhof, die Ungewissheit, die Verantwortung, die man übernommen hat … Wenn man Gedanken zerstückelt, sie klein macht, werden sie zu spitzen Scherben, die am Ende in die Wunde schneiden und nur noch mehr Zweifel säen.

Manchmal muss man einfach auf sein Herz und seinen Bauch hören und dem Leben vertrauen. Was wir nun auch tun. Denn das Leben hat uns bereits gezeigt, dass es seinen eigenen Plan macht. Wenn man sich finden soll, wenn man zusammengehört, wird es immer einen Weg geben. Irgendwie.

»Ich bin so glücklich, dass wir endlich hier sind«, sage ich und atme tief durch. »Die Zugfahrt war zwar etwas aufreibend, aber es hat sich gelohnt.«

Die Sonne spiegelt sich im Wasser, und ich kann es noch immer nicht so recht glauben, dass wir tatsächlich in Venedig in einer Gondel sitzen und durch diese aufregende Stadt fahren.

»Du meinst, weil wir diese vielen Zwischenstopps hatten?«, fragt Sam.

Ich kuschele mich noch enger an ihn. »Ja, allerdings. Aber ohne sie hätten wir wohl auch nicht diese Frau getroffen und wären jetzt nicht hier.«

Sam lächelt. »Das Schicksal fügt sich doch immer irgendwie.«

Eigentlich hatten wir nicht geplant, so spontan nach Venedig zu fahren. Aber als wir vor ein paar Tagen im Zug von Hamburg nach Nürnberg saßen, stieg diese nette Frau in unser Abteil ein und schwärmte so sehr von der Stadt, in der sie vor vielen Jahren im Urlaub ihrer großen Liebe begegnet war. Da wurde uns klar, dass wir diese Reise, die wir schon immer mal machen wollten, viel zu lange aufgeschoben hatten. Also fuhren wir einfach weiter.

»Schon verrückt, oder?«

Er streicht mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Ja, kann man so sagen. Und das Schönste ist, dass wir hier schon mal einen Vorgeschmack bekommen auf das, was sein wird.«

Fragend blicke ich ihn an.

»Na ja, ich kann es kaum erwarten, dich endlich immer bei mir zu haben. So wie hier in Venedig.«

»Das sagst du jetzt.« Ich stupse ihm mit dem Zeigefinger in den Bauch. »Aber glaub mir, es werden Tage kommen, an denen du mich verfluchst.«

»Klar, ganz sicher sogar. Aber ich werde dich trotzdem immer lieben – an jedem Tag, ohne ein Vielleicht. Und deswegen …« In meiner Brust klopft es heftig, als er in seine Jackentasche greift und einen schmalen Goldring herausholt. »Ja, ich will dich bei mir haben, heute und für immer und an jedem Tag. Deshalb frage ich dich, Lea: Willst du meine Frau werden?«

Für ein paar Augenblicke kann ich ihn nur ansehen, denn ich bin so voller Glück. Dann antworte ich endlich: »Ja, ich will, ab heute und für immer.«

Unsere Lippen treffen sich, und wir versinken in einem langen Kuss.

»Oh, amoresein so schön«, hören wir den Gondoliere sagen, woraufhin wir uns verlegen voneinander lösen.

Schließlich halten wir uns einfach weiter fest und genießen die Fahrt.

Wohin unser Weg uns auch führt, ich bin mir sicher, es wird der richtige sein.